Freitag, 17. Oktober 2014

Glückliche Familie Nr. 247: Meine liebsten Vornamen


Weil ich gerade viel unterwegs bin und meine Bücher nicht dabei habe, komme ich nicht so richtig zum Schreiben. Was aber immer geht, sind Listen, oder?

Lieben wir nicht alle Listen?

Sie bringen Ordnung in unser inneres und äußeres Chaos.

In dieser Woche ging ich mit der Familie um einen See spazieren und Prinzessin (13) fragte mich:

"Was sind deine Lieblingssportarten? Drei darfst du nennen." - Uta: "Tanzen, Tischtennis, Badminton."

"Was sind deine Lieblingsfarben?" - Uta: "Bei Kleidung: Rosa, Braun, Grau, Dunkelblau. Zum Wohnen: gerade Naturtöne, Schwarz, Weiß, dazu bunte Blumen."

Prinzessin (13) und Kronprinz (17) im Wald - diese Innigkeit haben wir wohl dem schmalen Bretterpfad zu verdanken. Ob sie auch über Listen sprachen? 

Hier noch ein paar Listen, die unterwegs entstanden sind.

Die Aufzählung der Kindernamen enthält nicht die weltschönsten Namen von Kronprinz und Prinzessin, sondern die, die ich wählen würde, wenn ich noch einmal 25 und mutiger wäre. Solche Gedankenspiele machen mir einfach Spaß.




Dann habe ich mir noch Gedanken über Spielzeug gemacht. Wir hatten natürlich viel mehr, als auf meiner Liste steht, und wahrscheinlich habe ich Wichtiges vergessen, aber wenn ich noch einmal kleine Kinder hätte, würde ich mich auf Folgendes beschränken:




Habt ihr Lust, meine Listen zu ergänzen oder eigene Listen zu schicken? Ich würde mich sehr darüber freuen.

Immer fröhlich alles auflisten.

Eure Uta

Freitag, 10. Oktober 2014

Glückliche Familie Nr. 246: Losziehung mit Nachbarschaftshilfe


Um ein unparteiisches Wesen zu finden, das bereit wäre, die Gewinnerin des Buches "Baby-Nöte verstehen" zu ziehen, versuchte ich zunächst, den Hund unserer Nachbarn zu gewinnen.




Aber der Hund interessiert sich immer nur für meinen Handfeger und die Gartenhandschuhe. 

Unsere Katze Amy war - wie man unschwer am Blick erkennen kann - höchstens bereit, die notarielle Aufsicht zu übernehmen. 




Schließlich aber war meine Nachbarin so nett, in die Schale zu greifen. 





Auf dem Zettel, den sie zwischen den Fingern hält, steht ... tatatataaaaaaaaaa


 "m hoch drei". 

Herzlichen Glückwunsch!

Liebe "m hoch drei", bitte maile mir bitte möglichst noch heute deine Adresse, dann kann ich das Buch schnell losschicken. 

Immer fröhlich die nachbarschaftlichen Kontakte pflegen


Eure Uta 

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Glückliche Familie Nr. 245: Babys richtig lagern, Verlosung


In einem meiner Bücher habe ich gelesen, dass Frauen heute einen "Kaltstart" erleben, wenn sie ihr erstes Baby bekommen, weil sie als Kind nicht mehr von so vielen Müttern mit Säuglingen umgeben waren, wie das früher der Fall war, und ihnen die Vorbilder fehlen.

Bei Affen mag das diese Auswirkungen haben. Affenmütter, die isoliert aufgezogen wurden und sich den Umgang mit Babys nicht abgucken konnten, wissen mit ihrem Jungen kaum etwas anzufangen und weisen es sogar brutal ab. (Harry Harlow nach Herbert Renz-Polster: "Kinder verstehen", Seite 254)

Aber gilt das auch für Menschen?

Ich bin zwar in einer größeren Sippe groß geworden (drei Geschwister, 26 Cousins und Cousinen), aber als der Kronprinz auf die Welt kam, habe ich das trotzdem als Kaltstart empfunden.

Nach Studium und ersten Berufsjahren, nach jahrelangen Kopfgeburten war mir die richtige Geburt entschieden zu körperlich: Dammriss, Klammer auf dem Babynabel, Kindspech, Milcheinschuss ...

Hilfe, wo ist meine saubere Schreibtischwelt, meine Bücher, mein Computer, Briefablage? Wo sind sie, die coolen Frauen in den Konferenzen? In der Klinik sah ich nur Morgenmäntel, die zum Kaffeespender watschelten.

Als die größten Körperlichkeiten überwunden waren, wurde der Kaltstart wärmer. Es gab einen Kronprinzen, der im Nacken duftete.

Leicht war es am Anfang trotzdem nicht. Irgendwann wurde der Duft von einem säuerlichen Gestank überdeckt, weil ich übersehen hatte, dass man die Halsfalten waschen muss. Der kleine Kerl hatte ein wundes Doppelkinn. Kein Wunder, dass er so unruhig war.

Meine berufliche Coolness wieder zu erlangen, war auch nicht so einfach. Wenn der Redaktions-Bote bei uns klingelte, um die nächsten Texte abzuholen, öffnete ein Schatten meiner Selbst die Tür. In Jogginghose, Spucktuch über der Schulter, Augen tief in ihren Höhlen, das Baby mechanisch wippend auf dem Unterarm.

Habe ich schon mal beschrieben, wie seine Majestät, mein Mann, und ich den Thronfolger föhnten, damit er endlich einschlief, und wie wir rückwärts auf dem Boden robbten, um den laufenden Föhn am Kabel aus dem Schlafzimmer zu ziehen?

Heute möchte ich etwas verlosen. Nein, keinen Föhn, sondern das Buch "Baby-Nöte verstehen" von der Kinder-Osteopathin Karin Ritter. Ich habe es zur Besprechung zugeschickt bekommen und musste nach dem Lesen denken, dass ich mir bei meinem Kaltstart damals ein solches Buch gewünscht hätte.


Luftaufnahme vom Kronprinzen im Alter von fünf Monaten. Auch wenn seit Mitte der 90er Jahre von der Bauchlage als Schlafposition abgeraten wird, schreibt die Kinder-Osteopathin, dass die Bauchlage "ein wichtiger Baustein in der Bewegungsentwicklung" des Kindes sei. Babys sollten "täglich ein bis zwei Stunden unter Beobachtung in dieser Lage liegen". 

In dem Buch erfährt man,
  • dass es nicht immer Koliken oder Blähungen sein müssen, die ein Baby schreien lassen
  • dass der Stress des Kindes durch falsche Lagerung im Bettchen ausgelöst werden kann
  • dass sich Säuglinge durch Lagerung der Beine auf ein Kissen viel wohler fühlen können und man so die Überstreckung des Kopfes vermeidet (verschiedene Lagerungen auf Fotos dokumentiert)
  • dass man ein Baby nicht mit dem Achselgriff hoch nimmt, weil das die Schultern zu sehr nach oben quetscht 
  • wie man es statt dessen hoch nimmt (zahlreiche Fotos)
  • mit welchen Griffen man es am besten trägt, wickelt, umzieht ...
  • dass man ein Baby ruhig im Autositz schlafen lassen kann, wenn man es darin in die Wohnung getragen hat, weil die Schalensitze ihm guten Halt geben, allerdings sollte man etwas unter den Sitz schieben, damit das Baby weniger aufrecht liegt
  • dass man kein Spielzeug an den Tragegriff des Autositzes hängen sollte, weil es dort für die Wahrnehmung des Babys zu tief hängt (kann zu Nackenverspannungen führen, Abstand zu den Augen mindestens 80 cm)
  • dass man den Autositz als Schaukel benutzen und an die Decke hängen kann (sanftes Schaukeln beruhigt immer) 
  • wie man ein Baby "puckt" (Pucken = zeitweiliges Einwickeln von Armen und Oberkörper des Babys, um ihm Halt zu geben und es damit zu beruhigen) plus Nähanleitung für einen "Puckschal" 

Karin Ritter nennt ihre Vorschläge "Glücksgriffe" und ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Tipp mehr Frieden in die Kaltstart-Familien bringt.

Zudem enthält das Buch eine DVD, auf der die Handgriffe, das richtige Lagern, Hochnehmen und Tragen gezeigt werden.

Wer das Buch gewinnen möchte, schicke mir bitte einen Kommentar, in dem ihr mir kurz eure Lebenssituation als Eltern oder werdende Eltern beschreibt.

Einsendeschluss ist diesmal schon morgen, 10. Oktober, um 12 Uhr mittags. Dann kann ich es am Samstag schon zur Post bringen.

Immer fröhlich nach neuen Möglichkeiten für friedliche Thronfolger suchen

Eure Uta        


Die Zettel nehme ich wieder raus, dann ist es fast wie neu.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Glückliche Familie Nr. 244: Yoga in den Stundenplan


Nachdem die glückliche, aber verspannte Familie diesen Geo-Artikel gelesen hat, haben wir eine Yoga-Lehrerin unseres Vertrauens gebeten, an einem Sonntagmittag zu uns nach Hause zu kommen und der ganzen Familie eine Yoga-Stunde zu geben. Der Esszimmertisch wurde verrückt und Matten ausgerollt. Und dann gingen wir "in den Hund" und "in die Kobra" und wurden menschliche Brezeln und ließen den Atem fließen oder gingen mit der Atmung dahin, wo unsere Körper dringend gedehnt werden sollten. Also überall.




Ich habe in meinem Leben schon den einen oder anderen Yoga-Kurs gemacht, aber jedes Mal denke ich wieder: "Bei all den Anweisungen, die ich befolgen soll,  - Beine strecken, Beckenboden anheben, Finger spreizen, Kopf locker zwischen den Schultern, Atem fließen lassen - fehlt nur noch, dass ich die Ohrläppchen anheben soll."

Und jedes Mal ist es eine große Wohltat für Leib und Seele.

Es ist, als würde mein Inneres wieder mit meiner äußeren Welt in Einklang kommen, als würden zwei Folien übereinander geschoben und ein stimmiges Bild ergeben. So schön.

Dieses schöne Gefühl wollten mein Mann und ich unseren Kindern vermitteln. Dazu hätten wir auch in einen Kurs gehen können. Aber da wir es für aussichtslos hielten, dass unsere Teenager sich mit Elternteilen, die in Jerseyhosen stecken und beim Sonnengruß von der Matte kippen, in der Öffentlichkeit zeigen, initiierten wir die Yoga-Stunde in unserem Wohnzimmer.

Als ich zwischen zwei Asanas auf der Matte lag und meine Gedanken unerlaubterweise abschweiften, musste ich an die Leute denken, die in diesen Tagen in Hamburg dafür Unterschriften sammeln, dass die Gymnasien parallel zu G8 wieder auch G9 anbieten sollen (also in neun, statt in acht Jahren zum Abitur). Und ihr fragt euch jetzt, was das mit Yoga zu tun hat.

Der Zusammenhang ist der, dass ich fest davon überzeugt bin, dass die einzige Reform, die wir - außer besserer Lehrerausbildung, strengerer Eignungstests für Pädagogen, mehr Unterstützung und Supervision für Lehrer an Schulen, mehr Fachkräfte in Kitas ... - also (fast) die einzige Reform, die wir wirklich brauchen, "Yoga in der Schule" ist.

Das sagt auch der Neurowissenschaftler Sat Bir Khalsa aus Harvard.

"Wir werden zunehmend mit Stressoren bombardiert, Hektik und Druck im Arbeitsleben, stetig präsentes Fernsehen und Internet. Unsere Welt ist sehr herausfordernd. Aber uns wird nicht vermittelt, wie man damit zurechtkommt, nicht in der Schule, nicht von den Eltern. Die leiden ja selbst. Yoga ist eine Technik, die hilft, mit Stress umzugehen."       Brand 1, Wirtschaftsmagazin, Ausgabe 04/2014: "Eine Sache der Disziplin"

Und weil es bisher überwiegend Frauen, Wohlhabende und Gebildete sind, die von Yoga profitieren, setzt sich Sat Bir Khalsa "für die flächendeckende Einführung von Yoga in öffentlichen Schulen ein".

Sat Bir Khalsa, wo sind deine Unterschriftenlisten?

Für Yoga in der Schule braucht es gar nicht viel. Die Grundschullehrerin vom Kronprinzen (heute 16) hat täglich vor Unterrichtsbeginn mit den Kindern eine Yoga-Übung gemacht, weil sie festgestellt hatte, dass es ihnen hilft, konzentrierter zu arbeiten. So standen dann 28 kleine "Bäume" im Klassenzimmer, das rechte Bein angewinkelt, den rechten Fuß an die Innenseite des linken Oberschenkels gedrückt, die Arme über dem Kopf gestreckt, den Blick fest auf einen Punkt an der Tafel geheftet.

Mein Mann und ich werden jetzt wieder regelmäßig Yoga üben. Ob die Kinder mitmachen werden, wird sich zeigen. Uns war es wichtig, dass sie es kennen lernen und als Möglichkeit mit in ihr Leben nehmen.

Unsere sonntägliche Yoga-Stunde endete damit, dass Familie Katzenklo ausgestreckt zwischen Klavier  und Sofa lag. Alle mit Tüchern bedeckt, als hätte es ein Massaker gegeben. Aber uns ging es gut. Sehr gut sogar. Antje, die Yoga-Lehrerin, stieg über uns drüber, um hier noch eine Hand zu lockern, dort noch eine Decke bis unters Kinn zu ziehen. "Mein Leben ist so wie es sein soll", sagte Antje sanft, "ich habe nichts gegen das, was gerade ist."

Immer fröhlich Yoga üben.

Eure Uta

Montag, 29. September 2014

Glückliche Familie Nr. 243: Synchron-Schlafen


Jemand aus unserer Familie durfte aus medizinischen Gründen zwei Tage lang nichts essen. Als diese vorbei waren, sollte es eine Feier der Völlerei geben und ich bin zum Griechen gefahren, um für alle "Gyros-komplett" zu holen. Gut, dass ich zufällig "Kinder verstehen" von Herbert Renz-Polster dabei hatte, denn ich musste lange warten. So saß ich zwischen aufgeklebten Tempel-Säulen im Knoblauch-Dunst und vertiefte mich in die Kapitel über den Baby-Schlaf.

Was ich dort las, war so herzerwärmend, dass ich den Wein und die ganzen Ouzos, die man mir anbot, nicht brauchte, um die Wartezeit zu verkürzen.

Wusstet ihr, dass die Körper von Mutter und Kind miteinander korrespondieren, wenn das Baby bei der Mutter im Bett schläft?
Körpertemperatur und Schlafphasen gleichen sich an, so dass bei Mutter und Kind die Phasen flachen und tiefen Schlafs parallel verlaufen. Und nicht nur das: Videos aus dem Schlaflabor von schlafenden Mamas zeigen, dass sie sogar im Schlaf die Position des Babys korrigieren, es also zum Beispiel von der Bauchlage auf den Rücken drehen, was ja ein geringeres Risiko bezüglich des plötzlichen Kindstodes birgt. (Herbert Renz-Polster: Kinder verstehen, Seite 127) Folglich kannst du von den Bahamas träumen und mit den Surfbrett die nächste Welle nehmen, während du das kleine Bündel neben dir wieder in die richtige Position bringst. Mitten im Schlaf. Ist doch irre, oder?

"Videoaufnahmen mit Infrarotkameras zeigen zudem, dass selbst die Bewegungen von Mutter und Kind unbewusst aufeinander abgestimmt sind. Die meisten beobachteten Mutter-Kind-Paare liegen sich fast die ganze Nacht Gesicht zu Gesicht gegenüber. Dabei werden immer wieder schützende oder 'ordnende' Eingriffe der Mutter beobachtet." (nach Richard u.a. 1996 beschrieben von H. Renz-Polster, ebd., Seite 127) 

Demzufolge werden Babys, die gestillt werden und im Bett der Eltern schlafen, zwar häufiger wach, schlafen aber auch schneller wieder ein. Und wegen der synchronisierten Schlafphasen wird die Mutter auch nicht aus dem Tiefschlaf gerissen. Die Experimente aus dem Schlaflabor zeigten, dass die Versuchsmütter mit dem Baby im Bett erholsamer schliefen, als wenn ihr Baby im Nebenzimmer nächtigte.

Das ist doch genial. Warum sagt einem das denn keiner?

Die Untersuchung, die Renz-Polster beschreibt, ist von 1996. Der Kronprinz ist 1997 geboren. Das hätte ich doch auf jeden Fall ausprobiert.

Jetzt fällt mir auf, dass Renz-Polster gar nichts über die Väter geschrieben hat. Werden die gleich mit synchronisiert, wenn der Nachwuchs mit im großen Bett liegt? Und klappt das auch, wenn der Säugling in einem Bettchen liegt, das man an das große Bett dranhängen kann? Welche Reichweite haben die elterlichen Schlafsignale? Wie klappt das bei Flaschen-Kindern?

Fragen über Fragen.

Bei Renz-Polster gefällt mir gut, dass er in seinem Buch keine religionsartigen Kriege für die eine oder andere Einschlaf-Methode oder für oder gegen das Stillen führt. Er weiß, das ist für Mütter ein vermintes Feld. Und für jede Familie ruckelt sich zurecht, was gut zu den jeweiligen Menschen und ihrem Leben passt.

Er schreibt, dass sich die segensreichen Wirkungen des gemeinsamen Übernachtens auch nur entfalten, wenn alle Beteiligten solchen gemeinsamen nächtlichen Happenings zustimmen können. Seine Majestät der Soßenkönig, sonst ein großer Freund des Kuschelns, hatte immer Bedenken, er würde unser Kind im Schlaf unter sich begraben (hier fehlten uns noch die Kenntnisse der Schlaf-Synchronisation, denn wahrscheinlich hätte ich ihm Tiefschlaf einen rechten Haken verpasst, das Baby gerettet und alle hätten weiter geschlummert.)

Auf jeden Fall gibt es wohl keine Belege dafür, dass es der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes schaden würde, wenn es in einem anderen Zimmer übernachtet. Und umgekehrt werden Kinder auch nicht weniger selbstständig, wenn sie als Baby bei ihren Eltern schlafen dürfen.

Was man aber auf keinen Fall machen sollte, ist die Methode aus dem einstigen Bestseller "Jedes Kind kann schlafen lernen". Dort wurde empfohlen, das Baby durch immer längere Phasen des Alleinseins im eigenen Zimmer an selbstständiges Einschlafen zu gewöhnen. Nicht machen! Damit erreicht man ein gestresstes Resignieren, aber kein friedliches Einschlummern.




Aus dem Schlaf-Kapitel habe ich mitgenommen:
  • Mit dem Baby zusammen im großen Bett zu schlafen, kann segensreiche Wirkungen entfalten.
  • Die Natur ist genial.
  • Wenn Kleinkinder nicht einschlafen können, weil sie im Dunkeln Angst vor Monstern haben, kann es helfen, ein Licht brennen zu lassen. Aber auf keinen Fall die ganze Nacht, weil selbst schwaches Licht die Bildung des "Rhythmushormons" Melatonin im Gehirn stört. Am besten Zeitschaltuhr verwenden.
  • Sich das Einschlafritual, das man einführen möchte, gut überlegen. Wenn Kinder nachts aufwachen, brauchen sie das gleiche Ritual wie am Abend, weil es für sie wie eine "Brücke" in den Schlaf ist. Wer also eine Geschichte liest, singt, über den Kopf streicht und den Bauch fönt (Familie Katzenklo in ihren Anfängen), wird damit leben müssen, dass das Kind in der Nacht das gleiche Programm einfordert. 
  • Großen Kindern kann man einige spannende Fakten über den Schlaf erzählen: das für das Wachstum wichtige Hormon wird hauptsächlich nachts ausgeschüttet - im Schlaf werden Reperaturarbeiten an den Körperzellen durchgeführt - nachts produziert der schlafende Körper besonders viele Immunstoffe und schützt einen so vor Krankheiten - im Schlaf sortiert sich das Gehirn neu und funktioniert morgens wieder besser (das sieht man daran, dass Insekten und Würmer keinen Schlaf brauchen, denn da ist kaum was zu sortieren) 

Immer fröhlich auf gutes Schlafen achten und mal ausprobieren, ob es auch gemeinsam im großen Bett klappt.

Eure Uta


PS: So begeistert ich auch davon bin, Babys bei sich schlafen zu lassen, würde ich Kleinkinder so ab eineinhalb oder zwei Jahren aus dem Elternschlafzimmer ausquartieren. Dann ist es - auch für die Kinder - wichtig, dass Mama und Papa wieder mehr ein Paar sein dürfen. Wenn ein großes Kind krank ist, Albträume hat oder eine schwere Zeit durchmacht, kann man Ausnahmen machen.
Aber ich habe den Eindruck, dass viele Mütter es übertreiben und das gemeinsame Übernachten bis in Schulzeiten hinein der Einstieg dafür sein kann, den Mann und Vater an den Rand der Familie zu drängen. 

Dienstag, 23. September 2014

Glückliche Familie Nr. 242: Zu viel Nähe?


Neulich gingen wir ein paar Schritte und Prinzessin (13) hakte sich bei mir unter. Außerdem wird bei uns viel umarmt, der Rücken gekratzt, auf dem Schoß gesessen.

Wahrscheinlich haben wir zu viel Nähe, dachte ich. Man sollte mit seinen Kindern nicht befreundet sein. Ich bin die Mutter, der Soßenkönig ist der Vater. Wichtige Entscheidungen müssen wir fällen. Wir müssen auch mal unbequem sein und streng und doof und peinlich.

Okay, das machen wir alles. Wir drücken uns nicht vor der Verantwortung oder zumindest nur manchmal, wenn wir es wieder so genießen mit unseren Kindern und keine Lust haben, bis in die letzte Faser konsequent zu sein.

Aber wenn es wieder so eine kuschelige Phase gibt mit den "Pubertieren", habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen. Wahrscheinlich bin ich eine von den Müttern, die der Kinderpsychiater Michael Winterhoff und Buchautor ("Warum unsere Kinder Tyrannen werden. ...") so gerne an den Pranger stellt. So eine Mutter, die den gleichen Nagellack benutzt wie ihre Tochter und in symbiotischer Beziehung mit ihren Kindern lebt, weil sie von ihnen die Bestätigung braucht, die sie woanders nicht bekommt. So eine Mutter, die aus eigenem Mangel heraus die Kinder an sich kettet. Eine, die in ihrem übergroßen Harmoniebedürfnis nicht durchgreifen kann, die ihre Kinder mit falsch verstandener Liebe erdrückt, die einfach zu schwach ist.

(Bis auf den Nagellack hat der Soßenkönig die gleiche Schwäche.)

Ich habe dieses Verhalten untersucht, bei uns und bei anderen, und komme zu anderen Schlüssen als Winterhoff und Konsorten.

Ich bin stark, habe (meistens) keinen Mangel und kann (wenn es drauf ankommt) sehr wohl durchgreifen. Der Soßenkönig und ich genießen es nur einfach sehr, Eltern zu sein.




Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist einfach enger geworden als noch vor einer Generation.  Am Elternsprechtag kam mir eine Mutter Hand in Hand mit ihrer 15jährigen Tochter entgegen. Bei einem Vortrag über berufliche Perspektiven in der zehnten Klasse sah ich mehrere Halbwüchsige, die ihren Kopf auf Vaters oder Mutters Schulter legten.
"Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen sagen heute, sie verstünden sich gut mit ihren Eltern. Drei Viertel der Befragten würden ihre eigenen Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden." 
Das schreibt ZEIT-Redakteur Martin Spiewak in der Ausgabe vom 11. September und bezieht sich dabei auf die Shell-Jugendstudie. Spiewak sieht ferner eine "Entspannung im Verhältnis der Generationen".

Am vergangenen Wochenende bin ich in meine alte Heimat zum Treffen meines Abitur-Jahrgangs gefahren. Bis tief in die Nacht habe ich mit alten Schulfreunden gesprochen. Viele haben Familie, manche nicht, Alleinerziehende, Patchwork, alles ist dabei.

Mein Schulfreund Klaus ist seit drei Jahren von seiner Frau getrennt. Nach seinem Auszug hat er sich eine Wohnung gesucht, die nahe bei der Schule seiner beiden Kinder liegt. "Dann können sie häufiger bei mir übernachten und ich kann vor der Arbeit mit ihnen frühstücken", erzählt Klaus. Sein Sohn steht kurz vor dem Abitur. "Der will ja nicht mehr viel von mir wissen, aber ich hole ihn immer vom Fechttraining ab. Dann habe ich ein paar Minuten mit ihm zusammen." Damit Klaus nicht sieht, wie gerührt ich bin, sortiere ich im Nudelsalat auf meinem Teller die Erbsen heraus. Er bestellt sich noch ein Bier.
Seine Tochter ist jetzt 15 und macht gerade ein Auslandsjahr in Costa Rica. Um Kontakt mit ihr zu halten, hat Klaus neuerdings ein Smartphone ("das war vorher nicht so mein Ding") und skypen kann er auch, darf er aber nicht mehr. "Sie sagt, sie will nicht mehr so viel mit mir telefonieren, weil ihr Spanisch sonst nicht besser wird." Klaus ist stolz, dass seine Tochter das durchzieht. Aber unter der Trennung von Louisa leidet er wie ein Hund.

Eine oder zwei Generationen früher hätte Klaus' Ehe vielleicht gehalten. Aber eine oder zwei Generationen früher hatten Väter und Mütter nicht so viel Nähe zu ihren Kindern wie viele Eltern heute.

Es ist nicht unbedingt besser oder schlechter. Es ist einfach anders.

Noch einmal ZEIT-Redakteur Martin Spiewak:

"... hat ein Jugendlicher, der mit 15 Jahren schon zum Austauschjahr nach, sagen wir: Argentinien geht, das Rebellieren zum Selbstständigwerden nötig?"

Jugendliche heute müssen nicht mehr unbedingt ausbrechen aus erstarrten Strukturen, weil die Strukturen weicher, die Hierarchien zu Hause flacher geworden sind. Kaum jemand muss noch gegen einen übermächtigen Vater ankämpfen. Der Hausarrest gehört ins Familienmuseum. "Solange du deine Füße noch unter unseren Tisch stellst, ..." - dieser Satz hat heute einen anderen Context. Eltern und Kinder sind heute froh, wenn es ein familiäres Füßeln unterm Tisch gibt. Wahrscheinlich suchen Heranwachsende heute eher Halt und Nähe, als dass sie unbedingt aus einer häuslichen Enge ausbrechen wollen.

Wenn ihr auch so gerne mit den Halbwüchsigen kuschelt und sie mit euch, müsst ihr nicht denken, dass ihr schon wieder etwas falsch macht. (Die Eltern, mit denen ich zu tun habe, haben sowieso jede Minute das Gefühl, etwas falsch zu machen.) Schaltet die Talkshows aus mit all den warnenden "Experten", pfeffert die Bücher in die Ecke von den ewigen Bedenkenträgern und kostet - wie mein Schulfreund Klaus - die Zeit mit euren Kindern aus.

Immer fröhlich die Nähe genießen und sich von niemandem ein Haar in die Suppe werfen lassen.

Eure Uta

Dienstag, 16. September 2014

Glückliche Familie Nr. 241: Nicht mehr bei der Eltern-Polizei


Vor mehr als einem Jahr habe ich darüber berichtet, dass wir Prinzessin (jetzt 13) nicht mehr kontrollieren bei den Hausaufgaben und beim Medienkonsum (hier und hier).

Die neue Freiheit ist Gewohnheit geworden, schöne Gewohnheit. Wenn Prinzessin Hilfe braucht, fragt sie uns gelegentlich. Und weil sie es dann ist, die die Initiative ergriffen hat, ist die Stimmung gleich ganz anders.

Schulisch hat sich kaum etwas verändert. Ohne unsere Kontrolle läuft es genauso wie vorher mit Kontrolle. Nur dass wir es zu Hause viel schöner haben.

Ich finde es wunderbar, nicht mehr bei der Eltern-Polizei zu sein. Ich kenne so viele Mütter und Väter, deren Verhalten gegenüber ihren Schulkindern durchtränkt ist von der Haltung: "Ohne mich läuft das nicht für Marie/Lukas/Carl/Leopold ... in der Schule." - "Wenn ich nicht den Turnbeutel packe, fehlt wieder die Hälfte." - "Wenn ich nicht ans Vokabel-Lernen erinnern würde, würde mein Kind in Englisch völlig absacken." "Wenn ich nicht ..." Um wen geht es hier eigentlich?

Auf Elternabenden selbst von Teenagern erlebt man Eltern, deren Wortbeiträge verraten, dass sie genau im Bilde sind, welches Buch in Englisch oder Geschichte gerade verwendet wird.
Je gebildeter die Eltern sind, desto schlimmer, weil sie fachlich dann erst abgehängt werden, wenn wir uns dem Abitur nähern.

Oder es endet früher, wenn man gesunde Kinder hat, die irgendwann bockig werden wegen ihrer  übergriffigen Eltern. "Da habe ich für Tim alles herausgesucht über die Pharaonen und die Grabbeilagen und was ist der Dank dafür? Pampig wurde er, weil er meine Schrift nicht lesen konnte."

Das mit dem Helfen ist ja verständlich. Laut einer Bertelsmann-Umfrage helfen 80 Prozent der Eltern in Deutschland ihren Kindern beim Lernen für die Schule. Jeder hat Angst, dass das eigene Kind abhängt würde, wenn man nicht hilft. Weil ja alle helfen ...

Gegen helfen spricht ja auch nichts. Wenn man sein Kind irgendwie unterstützen kann, ist das doch schön. Das machen wir - auf Anfrage - auch. Ich möchte aber nicht wissen, wie viel Stress und Streit es in Millionen Familien wegen der Schule gibt.

Jemand Kluges hat mal gesagt, es gibt nur zwei Gefühle: Liebe und Angst.


Pastorales Schmuckbild. 


Wenn also die Angst (vor der nächsten Prüfung, vor schlechten Noten ...) alles bestimmt, kann es gleichzeitig keine Liebe geben.

Amen.

Ehe das Pastorale mit mir durchgeht, schreibe ich mal auf, was mir geholfen hat, bei Schulsachen loszulassen:

  • Bei Kindern über 12 Jahren nur helfen, wenn sie darum bitten.
  • Fragen, welche Form von Unterstützung sie möchten.
  • Jüngeren Schulkindern helfen, den richtigen Ort, die richtige Zeit und Dauer für Hausaufgaben zu finden.
  • Wenn man hilft, dann den Humor dabei nicht verlieren. Wenn es zu verbissen wird, unbedingt Quatsch machen zwischendurch (Stift quer im Mund und singen, ablästern über die Leute auf den Schulbuchfotos, englische Texte in katastrophaler Ausprache lesen, philosophieren über den tieferen Unsinn mathematischer Textaufgaben ... )  
  • Lern-Ende und Belohnung vereinbaren (ich meine jetzt keine Rolex und keinen Zirkusbesuch, sondern einen Keks, eine Runde tanzen, eine Massage, eine halbe Stunde Chatten)
  • Wenn mehrere Klassenarbeiten bevorstehen, macht Prinzessin einen Wochenplan, in dem sie sich einträgt, an welchem Tag sie für welches Fach lernen will. Oft besteht die einzige Unterstützung, nach der sie fragt, darin: "Machst du mit mir einen Wochenplan?" Ich bin nämlich bekannt dafür, dass ich freie Zeit, Erholung und Spaß großzügig schraffiere. 
  • In der Grundschulzeit vom Kronprinzen (heute 16) habe ich mir großen Stress gemacht, weil er kaum stillsitzen konnte und sich das Rechnen von zwei Mathepäckchen über Stunden hinziehen konnte. Im Rückblick würde ich sagen, dass ich das viel zu wichtig genommen habe und der Bursche genau wusste, dass er mit diesem Thema meine Aufmerksamkeit bekommt, leider negative Aufmerksamkeit. 
  • Daraus habe ich gelernt: Wenn ein Grundschulkind seine Hausaufgaben nachmittags zu Hause macht und es läuft nicht, muss ich als Eltern eine Zeit dafür festlegen und ein klares Ende setzen. 
  • Der Lerneffekt von Hausaufgaben in der Grundschule ist höchst umstritten. Die große Studie über Unterrichtsqualität des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie hat gezeigt, dass Hausaufgaben in der Grundschule wenig bringen und erst in höheren Klassen den Lernerfolg fördern. (Martin Spiewak: "Hettie-Studie: Ich bin superwichtig!",  ZEIT-online, 14.1.2013). Also ruhig Blut in der Grundschul-Zeit. 
  • Mir hat geholfen, mit der Lehrerin von Kronprinz zu sprechen und ihr unseren Stress zu schildern. Sie war eine sehr erfahrene und mütterliche Lehrerin, die ihre letzte Klasse vor der Pensionierung hatte, und sie meinte: "Sie sorgen dafür, dass er sich eine halbe Stunde hinsetzt und seine Aufgaben macht. Und was er nicht schafft, schafft er nicht. Dann schreiben sie einfach eine Notiz ins Heft: 'heute ging einfach nicht mehr, das Wetter war zu schön, die Freunde klingelten, es hatte plötzlich geschneit, was auch immer." Das hat uns total entlastet. Danach ging es besser. 

Immer fröhlich darauf achten, dass man als Mama oder Papa kein ängstlicher Lern-Polizist wird.

Eure Uta

PS: Ich möchte euch dringend in der aktuellen ZEIT den Artikel "Wir sind keine Sorgenkinder! Schulstress, Bewegungsmangel, Computersucht - und dann noch überforderte Eltern: Ist es wirklich so furchtbar in Deutschland aufzuwachsen? Keineswegs. Den Kindern geht es so gut wie nie zuvor" von Martin Spiewak ans Herz legen. Ganz, ganz spannend, wie wir Deutschen die Kinder und die Eltern schlecht reden.

Meine Lieblingsstelle: "Die Flut der Erziehungsratgeber wird stets als Ausdruck einer Verunsicherung der Eltern interpretiert. Man kann aber auch sagen: Eltern halten Erziehung für wichtig. Sie sind lernbereit. Es gibt seit Jahren eine Flut von Kochbüchern. Niemand würde sie als Zeichen für den Verfall der Kochkünste anführen. "